Die Rubrik „Fundstücke“ versammelt in loser Form Gedanken, Textvignetten und vereinzelt auch Bilder, die in keinem anderen Zusammenhang stehen, als daß sie mir in Lektüren oder Gesprächen untergekommen sind und mich innehalten ließen. Angesprochen hat mich das Vorgefundene teils durch eine prägnante Formulierung eigener gedanklicher Sympathien, jedenfalls aber durch die Verführung, mich ausführlicher mit den jeweiligen Positionen auseinanderzusetzen. Und weil es mir einfach gefallen hat, auch als Lesestoff, ihn hier in diesem virtuellen Salon aufzulegen.

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Die Psychoanalyse ist aber nur scheinbar veraltet (Marcuse), ihre Aktualität in der Flüchtigen Moderne besteht in ihrer spezifischen Unzeitgemäßheit. Eine Kultur, die Selbsterforschung nicht durch Selbstreparatur ersetzen will, bleibt auf die Psychoanalyse angewiesen.
Gerhard Schneider, Die Psychoanalyse ist ein Humanismus. PSYCHE 8/2012

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Es gibt keine Natur des Menschen, die den Menschen festlegt, sondern der Mensch ist das, wozu er sich macht.
Jean-Paul Sartre

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Der Mensch muß sich nach sich selbst richten, aber jenes ›Selbst‹ ist ihm nicht vorgegeben, sondern aufgegeben. Er muß es im Nachdenken, Prüfen, Handeln und im Gespräch entwickeln, finden, erfinden.
Rüdiger Safranski, Das Böse oder Das Drama der Freiheit

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Ich weiß, daß es so etwas wie „sein Leben ändern“ nicht gibt: man dreht sich nur beständig innerhalb des Kreises der eigenen Persönlichkeit.
Oscar Wilde

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Der folgende Satz aus Sartres Saint Genet war entscheidend für mich: »Es kommt nicht darauf an, was man aus uns gemacht hat, sondern darauf, was wir aus dem machen, was man aus uns gemacht hat.« Er wurde zu einem Prinzip meines Lebens. Zur Maxime einer Askese, einer Arbeit am Selbst.
Didier Eribon, Rückkehr nach Reims

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Eine psychoanalytische Kur nach lacanianischem Vorbild sollte einen Prozess radikaler Externalisierung beinhalten. Ziel ist es, den Analysanden davon zu überzeugen, dass er für die Situationen, in denen er sich befindet, ausschließlich selbst verantwortlich ist; dass ihn seine Handlungen, nicht die ihnen zugrunde liegenden Motive, definieren; dass es keinen Wesenskern seines Daseins gibt, der anderen unzugänglich wäre. Lacan bezeichnet diese Idee gegen Ende seiner Lehre als Identifikation mit dem Symptom.
Rex Butler, Slavoj Žižek zur Einführung

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Wir nennen etwas »Phantasievorstellung« statt »Dichtung« oder »Philosophie«, wenn es um Metaphern kreist, die bei anderen Leuten nicht auf fruchtbaren Boden fallen, also Weisen des Sprechens oder Handelns, für die wir anderen keine Verwendung haben. Freud zeigt uns aber, wie etwas, das der Gesellschaft sinnlos, lächerlich oder abscheulich vorkommt, doch von entscheidender Bedeutung sein kann für das Selbstverständnis einer Einzelperson, vielleicht ihre Weise ist, zu verstehen, woher die zufallsblinde Prägung stammt, die sich in allem zeigt, was sie tut. Umgekehrt sprechen wir von Genie statt von Exzentrizität oder Perversität, wenn eine private Zwangsvorstellung eine Metapher hervorbringt, für die wir Verwendung haben. Der Unterschied zwischen Genie und Phantasie ist nicht der Unterschied zwischen Prägungen, die eine Verbindung zu etwas Universellem, einer vorgängigen Realität dort draußen in der Welt oder tief im Inneren des Selbst herstellen, und anderen, denen das nicht gelingt. Es ist vielmehr der Unterschied zwischen Idiosynkrasien, die zufällig bei anderen Menschen auf fruchtbaren Boden fallen - zufällig wegen der Kontingenzen einer historischen Situation, eines besonderen Bedürfnisses, das eine bestimmte Gemeinschaft zufällig zu einer bestimmten Zeit hat -, und anderen, die das nicht tun.
Kurz: Fortschritt in der Dichtung, Kunst, Philosophie, Wissenschaft oder Politik ergibt sich aus der zufälligen Koinzidenz einer privaten Zwangsvorstellung und eines weitverbreiteten Bedürfnisses. Starke Dichtung, die Moral des gesunden Menschenverstandes, revolutionäre Moral, normale Wissenschaft, revolutionäre Wissenschaft und Phantasie, die nur einer einzigen Person verständlich ist, sie alle sind in Freuds Sicht nur verschiedene Weisen, mit zufallsblinden Prägungen umzugehen - oder genauer, Weisen, mit verschiedenen zufallsblinden Prägungen umzugehen; diese Prägungen können Unikate sein, nur bei einem Individuum auftreten, oder allen Mitgliedern einer bestimmten, historisch bedingten Gemeinschaft eigen sein. Keine dieser Umgangsweisen hat deshalb ein Privileg vor anderen, weil sie die menschliche Natur besser zum Ausdruck brächte. Keine ist menschlicher oder weniger menschlich als eine andere, sowenig, wie die Feder in genauerem Sinne ein Werkzeug ist als das Schlachtermesser oder die Orchideenkreuzung weniger eine Blume als die wilde Rose.
Richard Rorty, Kontingenz, Ironie und Solidarität

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Das Freudsche Unbewußte hat nicht durch die Behauptung, das rationale Selbst sei dem viel größeren Bereich der irrationalen blinden Instinkte untergeordnet, einen solchen Skandal verursacht, sondern weil es deutlich gemacht hat, wie das Unbewußte selbst seiner eigenen Grammatik und Logik folgt: Das Unbewußte spricht und denkt. Das Unbewußte ist nicht das Reservat wilder Triebe, die vom Ich gezähmt werden müssen, sondern der Ort, an dem sich eine traumatische Wahr­heit äußert. Darin besteht Lacans Version von Freuds Motto »Wo Es war, soll Ich werden«: nicht »das Ich soll das Es besiegen«, den Ort der unbewußten Triebe einnehmen, sondern »Ich muß es wagen, mich dem Ort meiner Wahrheit zu nähern«. Was mich »dort« erwartet, ist keine tiefe Wahrheit, mit der ich mich identifizieren muß, sondern eine unerträgliche Wahrheit, mit der zu leben ich lernen muß.
Slavoj Žižek, Lacan Eine Einführung

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Entgegen dem, was uns seit der Kindheit immer wieder erzählt wird, besteht Intelligenz nicht darin, sich anpassen zu können - oder wenn das eine Intelligenz ist, dann die der Sklaven. Unsere Unfähigkeit zur Anpassung und unsere Müdigkeit sind keine Probleme, außer aus der Sicht dessen, was uns unterwerfen will. … Wir sind nicht deprimiert, wir streiken. …
Die Ordnung der Arbeit war die Ordnung einer Welt. ... Arbeiten bezieht sich heutzutage weniger auf die wirtschaftliche Notwendigkeit, Waren zu produzieren, als auf die politische Notwendigkeit, Produzenten und Konsumenten zu produzieren, um mit allen Mitteln die Ordnung der Arbeit zu retten. Sich selbst zu produzieren ist dabei, zur vorherrschenden Beschäftigung einer Gesellschaft zu werden, in der die Produktion zwecklos geworden ist. …
Nicht die Wirtschaft ist in der Krise, die Wirtschaft ist die Krise; die Arbeit fehlt nicht, die Arbeit ist zuviel; wohl überlegt deprimiert uns nicht die Krise, sondern das Wachstum.
Der kommende Aufstand | linksunten.indymedia.org - Zur Rezeption dieser Position siehe auch: kritisch-lesen.de

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Die sogenannte seelische Störung ist immer mehr als bloße Störung, nämlich Teil eines (unbewussten) seelischen Sinnzusammenhangs, genauer: Ausdruck einer individuellen Problematik und zugleich der individuellen Antwort auf sie. Der Mensch ist keine störungsanfällige, intelligente Maschine.
Karl Jaspers, Allgemeine Psychopathologie (1948)

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Die Schwierigkeit ist heute, dass Psychoanalyse bedeutet, mit Patienten umgehen zu können, für die es keineswegs selbstverständlich ist, Einsichten zu folgen. Sie wissen alsbald, welches Tun oder Unterlassen angebrachter wäre – aber sie fragen sich und ihren Therapeuten oft, warum sie sich eigentlich so verhalten sollten, warum sie Verzicht auf gewisse prägenitale oder narzisstische „Vergnügungen“ leisten sollten? Das Einsichtsmodell setzte auf die Fähigkeit zum Verzicht und unterstellte eine allgemein geteilte Vorstellung von menschlicher Reifung, die anzustreben als sinnvoll betrachtet wurde. Eines von Freuds Lieblingszitaten war der Satz von Theodor Vischer, das Moralische verstehe sich von selbst. Das wird heute nicht mehr ohne weiteres von allen unterschrieben; heute gilt eher, der eigene Nutzen oder Vorteil verstehe sich von selbst.
Michael Buchholz, Psychoanalyse als "weltliche Seelsorge" (Freud): Themenschwerpunkt: Lebenskunst. Journal für Psychologie 11 (2003)

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Die Psychoanalyse ist sozial empfindlicher als viele andere Wissenschaften, vergleichbar etwa der Geschichtsforschung, die bekanntlich in Diktaturen jeder Art verkommt und zum Absterben verurteilt ist. Damit in Zusammenhang steht ein zweiter Faktor, den ich den ideologischen oder weltanschaulichen nenne. Eine Weltanschauung vertritt die Psychoanalyse zwar nicht, sie beruht aber auf einer solchen. Sie ist einem radikalen Humanismus verpflichtet. Die Praxis und die psychoanalytische Forschung werden beeinträchtigt und verzerrt, sobald der Geist der Aufklärung einem obskurantistischen, chauvinistischen oder sonstwie reaktionären Klima weicht und damit ein liberales Menschenbild untergeht. Da die herrschende Ideologie immer bald jene der Herrschenden ist, tritt diese Beeinträchtigung schon vor jedem polizeilichen Eingriff ein. ...
Psychoanalyse ist ohne den Angriff auf die herrschenden Verhältnisse nicht möglich, die Gesellschaftskritik ist ihr inhärent. ...
Alle, die in der Psychoanalyse eine kritische Humanwissenschaft sehen, treten gegen mächtige Herrschaftsstrukturen an. Ihr Ziel ist es nicht, den Analysanden zu weiterer Anpassung zu verhelfen.

Paul Parin, Die Beschädigung der Psychoanalyse in der angelsächsischen Emigration und ihre Rückkehr nach Europa. PSYCHE 3/1990

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Sigmund Freud hat eine Umwälzung in der Kultur des Nachdenkens über uns selbst angestoßen, deren radikale Konsequenzen freilich auch heute noch selten mehr als in schattenhaften Umrissen begriffen werden. Es liegt schon an der inneren Logik dieser Denkanstöße, dass wir sie nur mit großer Mühe aufnehmen können und dabei von häufigen Missverständnissen behindert werden, die aus unseren inneren Widerständen herrühren; schließlich bildet ja gerade das Thema dieser Widerstände das Herzstück dieser Denkanstöße selbst.
Josef Berghold, Suchbewegungen zu den unbewussten Wurzeln der Schwäche unserer politischen Vorstellungskraft. WERKBLATT Nr. 73

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Ohne hier auf die Diskussion um den »common ground« der Psychoanalyse einzugehen, möchte ich, gleichsam unterhalb dieser offiziellen Diskursebene, einige sozialisationstheoretische Annahmen formulieren, die meines Erachtens die analytische Tätigkeit allgemein begründen:
1. Der gattungsgeschichtliche Übergang von Natur zu Kultur konstituiert sich im Aufbau einer sinnstrukturierten sozialen Welt, einer symbolischen Ordnung und der damit verbundenen Sprachentwicklung. Diese sinnstrukturierte soziale Welt ist der historischen Veränderung – entsprechend den gesellschaftlichen Verhältnissen und dem kulturellen Entwicklungsstand – unterworfen.
2. Sozialisation bedeutet, daß jedes Kind – vorwiegend in der Beziehung zu seinen primären Bezugspersonen – in diese sinnstrukturierte Welt eingeführt wird und eine Kompetenz erwirbt, sich in ihr zu orientieren und zu verhalten.
3. Hinsichtlich der frühesten und prägendsten Erfahrungen dieser Sozialisation besteht ab einem bestimmten Lebensalter eine Amnesie. Ohne besondere Verfahren bleiben diese Erfahrungen für die Erinnerung unzugänglich, sie hinterlassen aber gleichwohl in der psychischen Struktur des Individuums ihren Niederschlag und bestimmen in hohem Maße sein Erleben und Verhalten.
4. Psychische Störungen sind, soweit sie Gegenstand des psychoanalytischen Verfahrens werden können, in der Regel auf Störungen dieses Sozialisationsprozesses zurückzuführen. Sie sind insoweit sein Ergebnis. Im Falle schwerwiegender Traumatisierung im späteren Lebensalter bei zuvor intakter psychischer Struktur resultiert psychische Störung aus der bleibenden Läsion des primären Sozialisationsergebnisses.
5. Im psychoanalytischen Verfahren wird die Aufhebung oder Milderung psychischer Störung soweit erreicht, wie die unbewußten Spuren bewußt gemacht werden können, welche die Kindheitsgeschichte oder eine spätere Traumatisierung in der psychischen Struktur des Individuums hinterlassen haben. Die sprachliche Aneignung und Sinn-Rekonstruktion gestörter Sozialisation wird ermöglicht auf der Basis eines Erfahrungs- und Einsichtsprozesses, der in Inhalt, Intensität und Reichweite dem ursprünglichen Sozialisationsprozeß ähnelt. Dies ist die Bedingung der Möglichkeit, auf psychische Struktur verändernd einzuwirken.
Thomas Pollak, Über die berufliche Identität des Psychoanalytikers. Versuch einer professionstheoretischen Perspektive. PSYCHE 12/1999

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Vor etwa zweihundert Jahren faßte in der Vorstellungswelt Europas der Gedanke Fuß, daß die Wahrheit gemacht, nicht gefunden wird. Die Französische Revolution hatte gezeigt, daß sich das ganze Vokabular sozialer Beziehungen und das ganze Spektrum sozialer Institutionen beinahe über Nacht auswechseln ließ. Dieser Präzedenzfall bewirkte, daß utopische politische Vorstellungen bei den Intellektuellen von der Ausnahme zur Regel wurden. Diese Ausprägung politischen Denkens schiebt die Fragen nach dem göttlichen Willen und dem menschlichen Wesen beiseite und träumt von der Erschaffung einer neuen Spielart des Menschseins.
Richard Rorty, Kontingenz, Ironie und Solidarität

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Obskurantismus (zu lateinisch obscurare = verdunkeln; verbergen, verhehlen)
Bestreben, die Menschen bewusst in Unwissenheit zu halten, ihr selbstständiges Denken zu verhindern und sie an Übernatürliches glauben zu lassen.
Duden online

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Das Programm, welches uns das Lustprinzip aufdrängt, glücklich zu werden, ist nicht zu erfüllen, doch darf man - nein, kann man - die Bemühungen, es irgendwie der Erfüllung näherzubringen, nicht aufgeben. Man kann sehr verschiedene Wege dahin einschlagen, entweder den positiven Inhalt des Ziels, den Lustgewinn, oder den negativen, die Unlustvermeidung, voranstellen. Auf keinem dieser Wege können wir alles, was wir begehren, erreichen. Das Glück in jenem ermäßigten Sinn, in dem es als möglich erkannt wird, ist ein Problem der individuellen Libidoökonomie. Es gibt hier keinen Rat, der für alle taugt; ein jeder muß selbst versuchen, auf welche besondere Fasson er selig werden kann. ...
Die Religion beeinträchtigt dieses Spiel der Auswahl und Anpassung, indem sie ihren Weg zum Glückserwerb und Leidensschutz allen in gleicher Weise aufdrängt. Ihre Technik besteht darin, den Wert des Lebens herabzudrücken und das Bild der realen Welt wahnhaft zu entstellen, was die Einschüchterung der Intelligenz zur Voraussetzung hat. Um diesen Preis, durch gewaltsame Fixierung eines psychischen Infantilismus und Einbeziehung in einen Massenwahn gelingt es der Religion, vielen Menschen die individuelle Neurose zu ersparen. Aber kaum mehr; es gibt, wie wir gesagt haben, viele Wege, die zu dem Glück führen können, wie es dem Menschen erreichbar ist, keinen, der sicher dahin leitet. Auch die Religion kann ihr Versprechen nicht halten. Wenn der Gläubige sich endlich genötigt findet, von Gottes »unerforschlichem Ratschluß« zu reden, so gesteht er damit ein, daß ihm als letzte Trostmöglichkeit und Lustquelle im Leiden nur die bedingungslose Unterwerfung übriggeblieben ist. Und wenn er zu dieser bereit ist, hätte er sich wahrscheinlich den Umweg ersparen können.
Sigmund Freud, Das Unbehagen in der Kultur

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Die Weltreligionen sind es, welche die größten historischen Krisen herbeiführen.
Jacob Burckhardt, Weltgeschichtliche Betrachtungen

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Jeder prüfe seine Gedanken. Er wird finden, daß sie ganz mit der Vergangenheit oder der Zukunft beschäftigt sind. Wir denken fast überhaupt nicht an die Gegenwart, und wenn wir an sie denken, so nur, um aus ihr die Einsicht zu gewinnen, mit der wir über die Zukunft verfügen wollen. Die Gegenwart ist niemals unser Ziel.
Die Vergangenheit und die Gegenwart sind unsere Mittel; allein die Zukunft ist unser Ziel. Deshalb leben wir nie, sondern hoffen auf das Leben, und da wir uns ständig bereit halten, glücklich zu werden, ist es unausbleiblich, daß wir es niemals sind.
Blaise Pascal, Gedanken

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Es giebt nur einen angeborenen Irrthum, und es ist der, daß wir dasind, um glücklich zu seyn. Angeboren ist er uns, weil er mit unserm Daseyn selbst zusammenfällt, und unser ganzes Wesen eben nur eine Paraphrase, ja unser Leib sein Monogramm ist: sind wir doch eben nur Wille zum Leben; die successive Befriedigung alles unsers Wollens aber ist was man durch den Begriff des Glückes denkt.
Arthur Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung

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Wir haben eben gar kein Organ für das Erkennen, für die »Wahrheit«: wir »wissen« (oder glauben oder bilden uns ein) gerade so viel, als es im Interesse der Menschen-Herde, der Gattung, nützlich sein mag: und selbst, was hier »Nützlichkeit« genannt wird, ist zuletzt auch nur ein Glaube, eine Einbildung und vielleicht gerade jene verhängnisvollste Dummheit, an der wir einst zugrunde gehn.
Friedrich Nietzsche, Die fröhliche Wissenschaft

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Wahrheit ist hier nicht „gefunden“, denn diese Metaphorik unterstellt, dass Wahrheit, weil irgendwo schon „da“ auch „gesucht“ werden könnte. Sie ist vielmehr interaktiv erfunden, sie ist immer idiosynkratisch, also individualisiert und intim an die Person gebunden, deshalb auch nicht übertragbar und nur mit großen Schwierigkeiten und Verletzungsrisiken formulierbar. Aber sie kann gelebt werden.
Michael Buchholz, Psychoanalyse als "weltliche Seelsorge" (Freud): Themenschwerpunkt: Lebenskunst. Journal für Psychologie 11 (2003)

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Die Gegenstände kann ich nur nennen. Zeichen vertreten sie. Ich kann nur von ihnen sprechen, sie aussprechen kann ich nicht. Ein Satz kann nur sagen, wie ein Ding ist, nicht was es ist. ... Die meisten Sätze und Fragen, welche über philosophische Dinge geschrieben worden sind, sind nicht falsch, sondern unsinnig. Und es ist nicht verwunderlich, daß die tiefsten Probleme eigentlich keine Probleme sind. ... Der Zweck der Philosophie ist die logische Klärung der Gedanken. Die Philosophie ist keine Lehre, sondern eine Tätigkeit. Das Resultat der Philosophie sind nicht „philosophische Sätze“, sondern das Klarwerden von Sätzen. Die Philosophie soll die Gedanken, die sonst, gleichsam, trübe und verschwommen sind, klar machen und scharf abgrenzen.
Ludwig Wittgenstein, Tractatus logico-philosophicus

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Wer immer es mit kleinen Kindern zu tun hat, wird sich an Freuds Bemerkung erinnern, man möge doch die strahlende Intelligenz eines Vierjährigen mit der Stupidität der meisten Erwachsenen vergleichen. Seine Intention dabei war die Denunziation religiöser Erziehung - kein Einwand -, aber dass es nur darum gehe, ist - war - eine Illusion. Die Gesichter einigermaßen gewaltfrei aufwachsender Kinder heißen einfach die Welt in einer einen Erwachsenen verblüffenden Weise willkommen, obwohl die Kinder ja schon wissen, dass man sich in dieser Welt zum Beispiel ziemlich wehtun kann. Aber der Erwachsene, der sich an einem solchen Gesicht zu freuen versteht, weiß doch auch, dass wir alle - Eltern, Großeltern, Freunde, Verwandte, Unbekannte - gemeinsam daran arbeiten werden, das Strahlen in so einem Gesicht zum Erlöschen zu bringen, es auszuwischen und das Kind auf den Weg zu einem Erwachsenen zu bringen, der nicht unbedingt stupide sein muss, aber der es gründlich verlernt hat, die Welt als solche willkommen zu heißen. Aber so ist das eben mit dem Erwachsenwerden, und ein Erwachsener, der wie ein Kind in die Welt blickte, wäre kein reizender Anblick, sondern ein pathologischer Fall. Kurz, dieses Strahlen muss verschwinden, weil wir nicht anders können, als es zum Verschwinden zu bringen, weil es so ist, war und sein wird. Und auch, weil es so sein muss. Aber es ist ziemlich traurig - und schmerzlich, darüber nachzudenken.
Es ist, bei aller Einsicht in den Gang der Dinge, richtig, glaube ich, sich die Empfindung des Schmerzes auch über den notwendigen Gang der Dinge nicht abzugewöhnen. Dazu aber braucht es Kontakt zu jenen individuellen Bereichen, zur jenen eigenen biographischen Episoden, in denen man dann die Momente erkennt, in denen einem selbst dieses Strahlen aus dem Gesicht gewischt worden ist. Der Kontakt zur eigenen Biographie ist die Voraussetzung für Empathie und zum Sichselbst-Verstehen als Gattungswesen.
Jan Phillip Reemtsma, Wie weiter mit Sigmund Freud? Hamburger Edition 2008

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Im Unterschied zum meisten, das zählt, wäre die Kunst ohne die Menschen nicht auf der Welt. ... Und die Kunst, das kann glauben, wer will, ist eine der höchsten Wahrheiten unseres Daseins. Aber es ist eben höchstens die höchste, und wer weiß schon einen Ausweg aus den Aporien? Das hatte sogar die Religion nicht in petto, deren Erbe die Kunst in ihren schönsten Perioden, in den Kunstperioden, angetreten hat.
Eines Tages wird auch die höchste Wahrheit von einer anderen relativiert. Sie bedeutet nichts, sie wird vergessen, sie stirbt, sie verschwindet in der Geschichte. Aber solange sie noch lebt, ist ihr Besitz ein schlechter Ersatz für das Omnipotenzgefühl, mit dem wir, wenn alles halbwegs funktioniert, als Kinder zur Welt gekommen sind und das uns dann der Lebenslauf hat abgewöhnen müssen.
Franz Schuh, FORTUNA - Aus dem Magazin des Glücks

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In den Ereignissen der Hochzeit, des Mordes und des Wahnsinns als abschließenden, bereinigenden Vorgängen, als Abläufen der Welt-Einrichtung, verdichten sich szenisch-konkret die Grundmöglichkeiten der menschlichen Sozialisation, jenes jahrelangen Prozesses, in dem das Individuum zu dem wird, was man »Glied der menschlichen Gesellschaft« nennt. Dieser Prozeß wird erlitten. Er kann scheitern, sichtbar oder unsichtbar, unsichtbar vielleicht bei allen äußeren Anzeichen eines erfolgreichen Abschlusses. Die bisher prägnanteste Theorie, was den dramatischen Kern dieses Prozesses betrifft, ist die Lehre von der ödipalen Krise, wie sie Freud entwickelt und erläutert hat. ...
Wer dann in späteren Jahren ein Buch liest, eine Geschichte hört, ein Theaterstück anschaut, spielt dabei immer, ungewollt und unausweichlich, etwas von jenem seinem ersten und ganz eigenen Drama wieder durch. Was er im Erlebnis der Literatur erhofft und fürchtet, was ihn dabei begeistert und entsetzt, weinen und lachen läßt, er kennt es alles schon mit Zwerchfell, Herz und Nieren, weil er selbst einmal Protagonist war auf Tod und Leben. ...
Die drei letzten, nicht mehr weiter reduzierbaren Themen der Literatur sind die szenischen Verkörperungen der drei möglichen Ausgänge aus dem Konflikt der frühkindlichen Sozialisation, welcher mit dem großen Vergessen um das fünfte Lebensjahr herum beendet wird, dem ersten Vorhang nach dem ersten Stück. ...
»Hochzeit« - das ist, im Denken der Literatur, die umfassende Versöhnung mit der allgemeinen Ordnung. ...
»Mord« - das ist, im Denken der Literatur, der fundamentale Konflikt mit der vorhandenen Ordnung. ...
»Wahnsinn« - das ist, im Denken der Literatur, der radikale Austritt aus der allgemeinen Ordnung. ...
Diesen drei Themen der Literatur entspricht jene Dreiheit, die die Kommunikationstheorie für die Grundformen der zwischenmenschlichen Verständigung nachgewiesen hat: Bestätigung, Verwerfung und Entwertung, das Ja, das Nein und die Ignoranz. So wie sie als Grundmöglichkeiten jeden Kommunikationsakt strukturieren, strukturieren Hochzeit, Mord und Wahnsinn als Ur-Inhalte alle Literatur.
Peter von Matt, Liebesverrat

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Es liegt auf der Hand, daß jenes diffuse Phänomen, für das «ADHS» mehr eine Verlegenheitsbezeichnung als eine trennscharfe pathologische Diagnose ist, ohne umfassende kulturtheoretische Perspektive gar nicht angemessen begriffen werden kann. ADHS ist ja nicht einfach eine Krankheit in gesunder Umgebung. Umgekehrt: Nur wo schon eine Aufmerksamkeitsdefizitkultur besteht, gibt es ADHS. Ihr Wahrzeichen ist «konzentrierte Zerstreuung»: durch Milliarden winziger audiovisueller Schocks die menschliche Aufmerksamkeit auf etwas zu konzentrieren, was sie gerade zermürbt. Das ist das Aufmerksamkeitsdefizitgesetz, dessen Dynamik sich anschickt, unsere gesamte Kultur zu durchdringen. Gegen seine Wirkung kann man sich wehren; sie läßt sich verringern, aber - auf absehbare Zeit - nicht abstellen. Denn die konzentrierte Zerstreuung ist ein sich selbst verstärkender Mechanismus. Nur wer mehr Aufsehen erregt als andere, hat in der Flut aufmerksamkeitsheischender Impulse, mit der die Hochtechnologie uns umgibt, eine Chance, wahrgenommen zu werden. Und so darf man gewiß sein, daß das, was gegenwärtig unter ADHS firmiert - etwa jedes sechste Kind ist hierzulande nach vorsichtigen Schätzungen davon betroffen -, nur eine Ouvertüre ist: ein Anfang, eine Einstimmung, Ankündigung, Vorwegnahme zentraler Themen, ohne daß schon genau ersichtlich würde, was kommt - ganz wie in der Musik.
Christoph Türke, Hyperaktiv! Kritik der Aufmerksamkeitsdefizitkultur

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Wenn alle Psychologie seit der des Protagoras den Menschen erhöhte durch den Gedanken, er sei das Maß aller Dinge, so hat sie damit von Anbeginn zugleich ihn zum Objekt gemacht, zum Material der Analyse, und ihn selber, einmal unter die Dinge eingereiht, deren Nichtigkeit überantwortet. Die Verleugnung der objektiven Wahrheit durch den Rekurs aufs Subjekt schließt dessen eigene Negation ein: kein Maß bleibt fürs Maß aller Dinge, es verfällt der Kontingenz und wird zur Unwahrheit. Das aber deutet zurück auf den realen Lebensprozeß der Gesellschaft. Das Prinzip der menschlichen Herrschaft, das zum absoluten sich entfaltete, hat eben damit seine Spitze gegen den Menschen als das absolute Objekt gekehrt, und die Psychologie hat daran mitgewirkt, jene Spitze zu schärfen. Das Ich, ihre leitende Idee und ihr apriorischer Gegenstand, ist unter ihrem Blick stets zugleich schon zum Nicht-Existenten geworden. Indem Psychologie sich darauf stützen konnte, daß das Subjekt in der Tauschgesellschaft keines ist, sondern in der Tat deren Objekt, konnte sie ihr die Waffen liefern, es erst recht zu einem solchen zu machen und unten zu halten. Die Zerlegung des Menschen in seine Fähigkeiten ist eine Projektion der Arbeitsteilung auf deren vorgebliche Subjekte, untrennbar vom Interesse, sie mit höherem Nutzen einsetzen, überhaupt manipulieren zu können. Psychotechnik ist keine bloße Verfallsform der Psychologie, sondern ihrem Prinzip immanent.
Theodor W. Adorno, Minima Moralia - Reflexionen aus dem beschädigten Leben

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Meiner Meinung nach sind vier existentielle Grundtatsachen in der Psychotherapie besonders relevant: die Unausweichlichkeit des Todes für jeden von uns und für die, die wir lieben; die Freiheit, unser Leben nach unserem Willen zu gestalten; unsere letztendliche Isolation und schließlich das Fehlen eines erkennbaren Lebenssinns.
Irvin D. Yalom, Die Liebe und ihr Henker & andere Geschichten aus der Psychotherapie

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Young visitor meets Mark Rothko
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Die Schwierigkeit ist heute nicht mehr, dass wir unsere Meinung nicht frei äußern können, sondern Freiräume der Einsamkeit und des Schweigens zu schaffen, in denen wir etwas zu sagen finden. Repressive Kräfte hindern uns nicht mehr an der Meinungsäußerung. Im Gegenteil, sie zwingen uns sogar dazu. Welche Befreiung ist es, einmal nichts sagen zu müssen und schweigen zu können, denn nur dann haben wir die Möglichkeit, etwas zunehmend Seltenes zu schaffen: Etwas, das es tatsächlich wert ist, gesagt zu werden.
Gilles Deleuze, Mediators, zitiert in: M. Hardt und A. Negri, Demokratie. Wofür wir kämpfen

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Die traurige Wissenschaft, aus der ich meinem Freunde einiges darbiete, bezieht sich auf einen Bereich, der für undenkliche Zeiten als der eigentliche der Philosophie galt, seit deren Verwandlung in Methode aber der intellektuellen Nichtachtung, der sententiösen Willkür und am Ende der Vergessenheit verfiel: die Lehre vom richtigen Leben. Was einmal den Philosophen Leben hieß, ist zur Sphäre des Privaten und dann bloß noch des Konsums geworden, die als Anhang des materiellen Produktionsprozesses, ohne Autonomie und ohne eigene Substanz, mitgeschleift wird. Wer die Wahrheit übers unmittelbare Leben erfahren will, muß dessen entfremdeter Gestalt nachforschen, den objektiven Mächten, die die individuelle Existenz bis ins Verborgenste bestimmen. Redet man unmittelbar vom Unmittelbaren, so verhält man kaum sich anders als jene Romanschreiber, die ihre Marionetten wie mit billigem Schmuck mit den Imitationen der Leidenschaft von ehedem behängen, und Personen, die nichts mehr sind als Bestandstücke der Maschinerie, handeln lassen, als ob sie überhaupt noch als Subjekte handeln könnten, und als ob von ihrem Handeln etwas abhinge. Der Blick aufs Leben ist übergegangen in die Ideologie, die darüber betrügt, daß es keines mehr gibt.
Theodor W. Adorno, Minima Moralia - Reflexionen aus dem beschädigten Leben (1951)

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So wenig wie das, was ein „gutes Leben“ ist, kann auch die Lehre davon vorab definiert werden, weil ein solcher Versuch normativ würde und vorschreiben müsste, wo er doch – wie die gute analytische Deutung auch – nur anregen kann. Wir brauchen keine Norm und keine Standards psychischer Gesundheit.
Michael Buchholz, Psychoanalyse als "weltliche Seelsorge" (Freud): Themenschwerpunkt: Lebenskunst. Journal für Psychologie 11 (2003)

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... streng genommen ist die Frage nicht, wie man geheilt werden kann, sondern wie man leben soll.
Joseph Conrad, Lord Jim

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Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden, sich zu äußern.
Rosa Luxemburg, Breslauer Gefängnismanuskripte zur Russischen Revolution

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In einem alten Witz aus der untergegangenen DDR wird einem Mann Arbeit in Sibirien zugewiesen. Da er weiß, dass jeder Brief durch die Zensur muss, sagt er seinem Freund: »Wir vereinbaren einen Kode: Bekommst du von mir einen Brief in blauer Tinte, so ist er wahr; schreibe ich aber mit roter Tinte, ist er erlogen.« Einen Monat später erreicht der erste Brief den Freund, in blauer Tinte: »Alles hier ist wunderbar: Die Läden sind gefüllt, Essen gibt es im Überfluss, die Wohnungen sind geräumig und gut geheizt, in den Kinos zeigt man Filme aus dem Westen, eine Menge hübscher Mädchen wartet auf eine Affäre - das Einzige, was man nicht kriegen kann, ist rote Tinte.«
Und ist es nicht heute noch genauso? Wir haben alle erdenklichen Freiheiten, die man sich nur wünschen kann – das Einzige, was fehlt, ist »rote Tinte«: Wir »fühlen uns frei«, weil uns allein schon die Sprache fehlt, unsere Unfreiheit auszudrücken. Das Fehlen der roten Tinte bedeutet heute, dass alle zentralen Begriffe, mit denen wir den gegenwärtigen Konflikt bezeichnen – »Krieg gegen den Terror«, »Demokratie und Freiheit«, »Menschenrechte« und so fort – irreführende Begriffe sind, die unsere Wahrnehmung der Situation mystifizieren, statt uns zu erlauben, sie zu durchdenken. Unsere Aufgabe besteht heute darin, den Protestierenden rote Tinte zu geben.
Slavoj Žižek, Treffen sich zwei Hegelianer ...

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Der französische Philosoph und Marxist Louis Althusser hat vielleicht als Erster gezeigt, dass man die Phantasie nicht einfach als subjektive Fehlleistung oder Täuschung verstehen kann, nicht einfach als Weigerung, die Dinge in ihrem Sosein anzuerkennen. Für Althusser ist Phantasie vielmehr etwas Objektives. Sie finde sich weniger in unseren Überzeugungen als in unseren sozialen Praktiken. Im Sinne (der marxschen Analyse) des Warenfetischismus ist es deshalb egal, ob wir wissen, dass Geld nur eine Abstraktion sozialer Beziehungen und kein unmittelbarer Ausdruck von Reichtum ist. Entscheidend ist nur, dass wir in unserem Verhalten immer noch so tun, als wäre Letzteres zutreffend. Dies ist die radikale Bedeutung von Marxens Analyse der Warenform: „dass Dinge (Waren) an unserer Stelle glauben“. Es ist auch die Schlussfolgerung, die sich aus Zizeks Einführung des lacanschen Begriffs des gespaltenen Subjekts in Althussers Theorie der Anrufung ziehen lässt. Wir sehen nämlich, dass Ideologie unbewusst funktioniert, was nicht heißt, die Subjekte wüssten nichts von ihr - sie wissen sehr wohl -, die Form ihres eigenen Verhaltens aber können sie nicht kontrollieren. Sie sind nicht etwa deshalb „dezentriert“, weil sie irgendeinen Aspekt ihres Verhaltens falsch wahrnehmen oder falsch einschätzen würden, sondern weil sie von Anfang an nur durch Vermittlung eines anderen (der Anderen, wie er sich nicht nur im Fetisch, sondern auch in sozialen Bräuchen verkörpert) handeln oder glauben können.
Rex Butler, Slavoj Žižek zur Einführung

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Die Verachtung des Unglücks ist in den Gesellschaften verankert, in der Art wie Menschen zusammenleben. Gewiss, es gibt eine Achtung des Unglücks, eine gelegentlich auch voyeuristische Aufmerksamkeit dafür. Aber intuitiv, also ohne Beweise, habe ich das Gefühl, dass die Verachtung eher darin wirkt, eher daran beteiligt ist, wie alles funktioniert. Die Sehnsucht nach Solidarität bleibt poetisch, während die Konkurrenz den Tag strukturiert.
Franz Schuh, FORTUNA - Aus dem Magazin des Glücks

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Vermutlich kann man aus der Einsamkeit keinen Vorteil ziehen.
Jean-Paul Sartre, Der Ekel

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Bei allen Begierden muß man sich fragen: Was geschieht, wenn mein Begehren befriedigt ist, und was, wenn es nicht befriedigt wird?
Epikur, Aphorismen

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Gerade weil man Liebe zuletzt nicht anders definieren kann denn als die höchste Form von Aufhebung aller Herrschaft, bleibt sie so fundamental an alles geknüpft, was in ihrem Umkreis Herrschaft ist und heißt. Die Herrschaft des Geschlechts im Patriarchat, der Klasse in der ständischen Gesellschaft, des akkumulierten Geldes im kapitalistischen, des Verwaltungsapparats im sozialistischen Staat und alle ihre vielfachen Interferenzen und Überlagerungen, sie geben im Augenblick der Liebe einen Ort frei, wo alle Macht aufgehoben ist, wo alles schwebt und ruht – wie im Auge des Orkans.
Peter von Matt, Liebesverrat

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Unserer Meinung nach ist es zwar analytisch, aber - um Hans Castorps Redewendung zu wiederholen - »im höchsten Grade linkisch« und geradezu lebensunfreundlich, in Dingen der Liebe zwischen Frommem und Leidenschaftlichem »reinlich« zu unterscheiden. Was heißt da reinlich! Was schwankender Sinn und Zweideutigkeit! Wir machen uns unverhohlen lustig darüber. Ist es nicht groß und gut, daß die Sprache nur ein Wort hat für alles, vom Frommsten bis zum Fleischlich-Begierigsten, was man darunter verstehen kann? Das ist vollkommene Eindeutigkeit in der Zweideutigkeit, denn Liebe kann nicht unkörperlich sein in der äußersten Frömmigkeit und nicht unfromm in der äußersten Fleischlichkeit, sie ist immer sie selbst, als verschlagene Lebensfreundlichkeit wie als höchste Passion, sie ist die Sympathie mit dem Organischen, das rührend wollüstige Umfangen des zur Verwesung Bestimmten, - Charitas ist gewiß noch in der bewunderungsvollsten oder wütendsten Leidenschaft.
Thomas Mann, Der Zauberberg

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… die Liebe … Daran glaubte er nicht. Mied sogar das Wort. Hielt es für Kitsch. Es gäbe diese drei Dinge, und nur sie, pflegte er zu sagen: Begierde, Wohlgefallen und Geborgenheit. Und alle seien sie vergänglich. Am flüchtigsten sei die Begierde, dann komme das Wohlgefallen, und leider sei es so, daß die Geborgenheit, das Gefühl, in jemanden aufgehoben zu sein, irgendwann auch zerbreche. Die Zumutungen des Lebens, all die Dinge, mit denen wir fertig werden müßten, seien einfach zu zahlreich und zu gewaltig, als daß unsere Gefühle sie unbeschadet überstehen könnten. Deshalb komme es auf Loyalität an. Sie sei kein Gefühl, meinte er, sondern ein Wille, ein Entschluss, eine Parteinahme der Seele. Etwas, das den Zufall von Begegnungen und die Zufälligkeit der Gefühle in eine Notwendigkeit verwandle.
Pascal Mercier, Nachtzug nach Lissabon

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Bei der Eifersucht kreiert/imaginiert das Subjekt ein Paradies (eine Utopie der vollkommenen jouissance), aus dem es ausgeschlossen ist.
Slavoj Žižek, Auf verlorenem Posten. edition suhrkamp 2009

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In Zeiten des romantischen Liebesideals, in der die Liebe zwischen den Liebenden allein - und nicht die schicklichen, zweckhaften oder sonst wie naheliegenden Allianzen zwischen den Familien der Partner - den Bund fürs Leben begründen soll, ist Bindung deshalb eine so riskante Angelegenheit, weil die beiden Partner nicht voneinander wissen können, welche Frustrationstoleranzen die Liebe für den jeweils anderen beinhaltet. Wenn die Sexualüberschätzung aus dem irren Zustand der Verliebtheit nachlässt, müssen sich die Partner notgedrungen auf eine emotionale Idee langer Dauer für ihre Partnerschaft einigen. Dazu dienen für gewöhnlich Erzählungen des Kennenlernens, der Überwindung von Beziehungskrisen, von gemeinsamen Urlaubs- oder Immobilienerwerbsprojekten und vor allem die unendlichen, von Fotosammlungen gestützten Erzählungen aus der kooperativen Kinderaufzucht.
Da der Partner, auch wenn man sich keinen anderen vorstellen kann, immer der Andere bleibt, in dem ein Fremder steckt, dessen trübe Gedanken, geheime Wünsche und bizarre Fantasien einem verborgen bleiben, muss man unentwegt auf der Hut sein. Eine fixe Idee im Kopf des Anderen kann mit einem Mal alles zur Disposition stellen. Die Beziehung der Liebe beruhe so gesehen auf der Angst vor der Freiheit. So wie das Ich hat das Du die Freiheit, aus nichtigem Anlass oder tiefer Enttäuschung, Nein zu sagen und sich dadurch seine Freiheit zu nehmen und den Anderen allein zu lassen. »Wir haben uns voneinander entfremdet«, lautet die ebenso hilflose wie treffende Formel der Trennung.
Heinz Bude, Gesellschaft der Angst. Hamburger Edition 2014

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Gunter_Damisch_Der_Träumende

Gunter Damisch - Der Träumende (1988)
LENTOS Kunstmuseum Linz, © Reinhard Haide
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Der unter den Alten, der sagte, er sei den Jahren dankbar, weil sie ihn von der Wollust befreit hätten, war anderer Ansicht als ich; ich werde mich niemals beim Unvermögen bedanken, und wenn es mir noch so gut bekäme. ... Wir nennen die Grämlichkeit unserer Launen und den Überdruß an irdischen Dingen Weisheit. Aber in Wirklichkeit geben wir die Laster nicht auf, wir tauschen sie nur ein, und meiner Meinung nach gegen schlimmere. Außer einem dummen, senilen Hochmut, einer nervtötenden Geschwätzigkeit, diesen unangenehmen Eigenarten, außer dem Aberglauben und einer lächerlichen Sorge um das Geld, für das man keine Verwendung mehr hat, finde ich im Alter mehr Neid, mehr Ungerechtigkeit und mehr Boshaftigkeit.
Michel Eyquem de Montaigne, Essais

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Die moderne Geschichte hat, denke ich, hinreichend bewiesen, dass jeder Mensch, oder fast jeder, unter gewissen Voraussetzungen das tut, was man ihm sagt; und, verzeiht mir, die Wahrscheinlichkeit ist gering, dass ihr die Ausnahme seid - so wenig wie ich. Wenn ihr in einem Land und in einer Zeit geboren seid, wo nicht nur niemand kommt, um eure Frau und eure Kinder zu töten, sondern auch niemand, um von euch zu verlangen, dass ihr die Frauen und Kinder anderer tötet, dann danket Gott und ziehet hin in Frieden. Aber bedenkt immer das eine: Ihr habt vielleicht mehr Glück gehabt als ich, doch ihr seid nicht besser. Denn solltet ihr so vermessen sein, euch dafür zu halten, seid ihr bereits in Gefahr. Gern stellen wir dem Staat - ob er totalitär ist oder nicht - den gewöhnlichen Menschen gegenüber, die Laus oder das kleine Licht. Dabei vergessen wir jedoch, dass der Staat aus Menschen besteht, mehr oder weniger gewöhnlichen Menschen, ein jeder mit seinem Leben, seiner Geschichte, jeder mit seiner Verkettung von Zufällen, die dafür gesorgt haben, dass er sich eines Tages auf der richtigen Seite des Gewehrs oder Dokuments wiederfindet, während andere auf der falschen stehen. Dieser Gang der Ereignisse ist in den seltensten Fällen das Ergebnis einer Entscheidung oder gar einer charakterlichen Veranlagung. Und die Opfer sind in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle nicht deshalb gefoltert oder getötet worden, weil sie gut waren, ebenso wenig wie ihre Peiniger sie aus Bosheit gequält haben. Das zu glauben wäre reichlich naiv.
Jonathan Littell, Die Wohlgesinnten

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Und nun ist die Macht an sich böse, gleichviel wer sie ausübe. Sie ist kein Beharren, sondern eine Gier und eo ipso unerfüllbar, daher in sich unglücklich und muß also andere unglücklich machen.
Jacob Burckhardt, Weltgeschichtliche Betrachtungen (1905)

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Die fast unlösbare Aufgabe besteht darin, weder von der Macht der anderen, noch von der eigenen Ohnmacht sich dumm machen zu lassen.
Theodor W. Adorno, Minima Moralia - Reflexionen aus dem beschädigten Leben

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Im neoliberalen Regime existiert eigentlich kein Proletariat, keine Arbeiterklasse, die vom Eigentümer der Produktionsmittel ausgebeutet würde. In der immateriellen Produktion besitzt jeder ohnehin sein Produktionsmittel selbst. Das neoliberale System ist kein Klassensystem im eigentlichen Sinne mehr. Es besteht nicht aus Klassen, die sich zueinander antagonistisch verhielten. Darin besteht gerade die Stabilität dieses Systems.
Die Unterscheidung von Proletariat und Bourgeoisie lässt sich heute nicht mehr aufrechterhalten. Der Proletarier ist wörtlich jemand, der als einzigen Besitz nur seine Kinder hat. Seine Selbstproduktion ist auf die biologische Reproduktion beschränkt. Heute wird dagegen die Illusion verbreitet, jeder sei als ein sich frei entwerfendes Projekt zu einer grenzenlosen Selbstproduktion fähig. Strukturell unmöglich ist heute die »Diktatur des Proletariats«. Heute sind alle von einer Diktatur des Kapitals beherrscht.
Das neoliberale Regime verwandelt die Fremdausbeutung in die Selbstausbeutung, von der alle ›Klassen‹ betroffen sind. Diese klassenlose Selbstausbeutung ist Marx gänzlich fremd. Sie macht gerade die soziale Revolution unmöglich, die auf der Unterscheidung zwischen Ausbeutenden und Ausgebeuteten beruht. Und aufgrund der Vereinzelung des sich selbst ausbeutenden Leistungssubjekts formiert sich kein politisches Wir, das zu einem gemeinsamen Handeln fähig wäre.
Wer in der neoliberalen Leistungsgesellschaft scheitert, macht sich selbst dafür verantwortlich und schämt sich, statt die Gesellschaft oder das System in Frage zu stellen. Darin besteht die besondere Intelligenz des neoliberalen Regimes. Sie lässt keinen Widerstand gegen das System aufkommen. Im Regime der Fremdausbeutung ist es dagegen möglich, dass die Ausgebeuteten sich solidarisieren und sich gemeinsam gegen die Ausbeuter erheben. Auf dieser Logik beruht ja Marx' Idee der »Diktatur des Proletariats«. Sie setzt aber repressive Herrschaftsverhältnisse voraus. Im neoliberalen Regime der Selbstausbeutung richtet man die Aggression vielmehr gegen sich selbst. Diese Autoaggressivität macht den Ausgebeuteten nicht zum Revolutionär, sondern zum Depressiven.
Heute arbeiten wir nicht mehr für unsere eigenen Bedürfnisse, sondern für das Kapital. Das Kapital erzeugt eigene Bedürfnisse, die wir fälschlicherweise als unsere eigenen Bedürfnisse wahrnehmen.
Byung-Chul Han, Psychopolitik - Neoliberalismus und die neuen Machttechniken

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Der Grundwiderspruch heute lautet, dass die Rationalisierung der Arbeitsplätze aufgrund immer effizienterer Abläufe und besserer Konstruktionen der Maschinen nicht den Arbeitenden zugute kommt – indem sie wenig bis gar nicht mehr arbeiten müssten, also freie Zeit zurückgewinnen und gleichzeitig die Früchte jener Errungenschaften in Form sozialer Absicherung genießen könnten. Dinge, die schon heute möglich sind, wenn das ideologische Dogma der Vollbeschäftigung endlich ad acta gelegt wird und der immense Reichtum sowie die Produktionsmittel gerecht verteilt werden. Solange beides nicht politisch und gesetzlich geregelt wird, gibt es keinen vernünftigen Grund arbeiten zu gehen.
In einer Gesellschaft, in welcher alle Tätigkeiten danach entlohnt oder eben nicht entlohnt werden, ob sie einen finanziellen Mehrwert erschaffen, und nicht danach, ob sie einen »Mehrwert« für menschliche Bedürfnisse oder Belange des guten Zusammenlebens schaffen, geht es lediglich darum zu funktionieren. Alles wird danach ausgerichtet und durchzieht in der Konsequenz auch die private Sphäre. Erziehung, Familie, Liebesbeziehungen werden dahingehend zugerichtet, dass sie in der Außenwirkung gut dastehen, nach außen hin funktionieren – und sich »lohnen«. Das Innere, also die Bedürfnisse, geheimen Wünsche, das eigene Glücksempfinden, das libidinöse Verlangen, bleibt dabei nicht nur auf der Strecke – es gerät immer weiter in Vergessenheit und wird gar nicht mehr als Wert oder Triebfeder einer zivilisierten Menschlichkeit gedacht.
Das Innere, also die Bedürfnisse, geheimen Wünsche, das eigene Glücksempfinden, das libidinöse Verlangen, bleibt dabei nicht nur auf der Strecke – es gerät immer weiter in Vergessenheit und wird gar nicht mehr als Wert oder Triebfeder einer zivilisierten Menschlichkeit gedacht. Es geht nicht mehr um das ständige und widersprüchliche Austarieren der angetroffenen Wirklichkeit mit den inneren Bedürfnissen, um so wenigstens die Möglichkeit eines Kompromisses zwischen eigenen Wünschen und äußeren Notwendigkeiten zu finden, immer unter der Prämisse des möglichst bequemen Lustauslebens – denn wenn es nicht darum geht, wofür dann das alles –, sondern nur noch darum, sich nach den Maßgaben einer angeblich alternativlosen und äußeren Zwängen unterworfenen Welt zu arrangieren. Hocheffizient und flexibel in ihr aufzugehen, ohne einmal »Ich« sagen und wirklich meinen zu dürfen – denn dann würde jenes System angeblich zusammenbrechen und wir alle dabei draufgehen.
Martin Nevoigt, Besinnt euch! in: Haus Bartleby, Sag alles ab! Edition Nautilus Verlag
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Die entfremdete Weltanschauung (den Ausländern die Schuld geben) verdrängt den politischen Begriff (gegen die Herrschaft ankämpfen).
Didier Eribon, Rückkehr nach Reims

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Es überfordert den Menschen, im Sinne einer Zukunft zu handeln, die er selbst nicht mehr erleben wird. …
Der einzelne Mensch ist ein Rätsel, einige Milliarden Menschen, organisiert in einem parasitären System, sind eine Katastrophe.
Ilija Trojanow, EisTau

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Wir sind augenblicklich Zeugen, wie ein ganzer Planet, der vier Milliarden Jahre für seine Entwicklung brauchte, in einer globalen Wirtschaftsmaschinerie verheizt wird, die Unmengen von Gütern und zugleich Unmengen von Müll produziert, irrsinnigen Reichtum und massenhaftes Elend, permanente Überarbeitung und sinnlosen Leerlauf. Ein Außerirdischer, der uns besuchen würde, könnte dieses System nur für verrückt halten. Und doch entbehrt es nicht einer gewissen Rationalität. Der harte Kern dieser Rationalität besteht in der unendlichen Vermehrung von Zahlenkolonnen auf den Konten einer relativ überschaubaren Zahl von Menschen. Diese Zahlenkolonnen länger zu machen scheint letztlich das einzig verbliebene Ziel der globalen Megamaschine zu sein. Die Erde wird für eine endlos wachsende Zahl von Nullen verbrannt.
Fabian Scheidler, Das Ende der Megamaschine. Geschichte einer scheiternden Zivilisation

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Egal, aus welchem Blickwinkel man die Sache betrachtet. Ein Planet mit zehn Milliarden Menschen wird der reinste Albtraum sein.
Stephen Emmott, Zehn Milliarden

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Es geht um die Entwicklung zur Transhumanz
Wenn man Evolution auf das wirklich Wesentliche herunterbricht, dann ist es ein informationsbasierter, emergenter Vorgang, der langfristig zur Selbsterkenntnis des Universums führt.
Dabei ist das Trägermedium unwichtig. Im Moment erleben wir gerade die Ablösung der Information von der biologischen Trägersubstanz. Der nächste Schritt wird ein Verschmelzen der elektronisch/quantentechnisch repräsentierten Information mit der biologisch/chemisch vorliegenden Information sein. Darum wird es ein Zurück zu rein biologischen Informationsbehältnissen nicht geben.
Die bequemen Zeiten sind vorbei. Wir werden uns an immer stärkeres Verschmelzen von Mensch, Maschine und Information gewöhnen müssen.
Der Standard, Posting It'tksirkrk, 19.4.2013

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Ich gestehe es: Ich
Habe keine Hoffnung.
Die Blinden reden von einem Ausweg. Ich
Sehe.
Wenn die Irrtümer verbraucht sind
Sitzt als letzter Gesellschafter
Uns das Nichts gegenüber.

Bertolt Brecht, »Der Nachgeborene« (1920)

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Hiroshi Sugimoto, Seascapes - Baltic Sea Near Ruegen, 1996
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Im Netz gefunden:

Perlentaucher - Das Kulturmagazin
NachDenkSeiten - Die kritische Webseite
Berliner Institut für kritische Theorie (InkriT)
Die Armutskonferenz - Netzwerk gegen Armut und soziale Ausgrenzung
verteilung.at - Das Informationsportal für Verteilungsfragen in Österreich
Attac - "Vereinigung zur Besteuerung von Finanztransaktionen zugunsten der BürgerInnen"
Fabian Scheidler: „Das Ende der Megamaschine - Geschichte einer scheiternden Zivilisation
brennstoff - Aktuell ist nur das Bleibende
ute woltron - schreibt erntet beobachtet brütet yogt

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